Ukraine-Russland-Krise

Alexander Eydlin
Alexander Eydlin
Gouverneur warnt vor humanitärer Notlage in Sjewjerodonezk

Dem Gouverneur der ostukrainischen Region Luhansk zufolge droht in der vor wenigen Wochen von Russland eroberten Stadt Sjewjerodonezk eine "humanitäre Katastrophe". 80 Prozent der Wohngebäude in der Stadt, die Russland monatelang mit schwerer Artillerie beschossen hatte, seien beschädigt oder zerstört, schrieb Serhij Hajdaj auf Telegram.
Seit Ende Februar haben die Besatzer kritische Infrastruktur beschossen und sie nahezu dem Erdboden gleichgemacht.
Serhij Hajdaj
Es gebe keine zentrale Versorgung mit Wasser, Strom und Elektrizität mehr, beklagte der Gouverneur. Daran werde sich unter der Besatzung nichts ändern: Sogar in Friedenszeiten erforderten Reparaturen solchen Ausmaßes sechs Monate bis zu einem Jahr – "unter Vorhandensein von Baumaterial und qualifizierten Arbeitskräften". Beides stehe den Besatzern nicht zur Verfügung.

Ein großes Problem sei die Kanalisation, in der es zu Verstopfungen komme. Hajdaj befürchtet Zustände, die jenen im besetzten Mariupol nach Angaben dortiger Behörden ähnelten. Auch in Sjewjerodonezk verwesten zahlreiche Leichen unter den Trümmern von Wohnhäusern.
Zerstörte Häuser im Sjewjerodonezker Vorort Prywillja am 14. Juni
Zerstörte Häuser im Sjewjerodonezker Vorort Prywillja am 14. Juni. Aris Messinis/AFP/Getty Images
Zudem warf der Gouverneur den Besatzungskräften Diebstahl und Raub vor. Nach der Eroberung der Stadt seien zahlreiche Einwohner deportiert und ihre Schlüssel zuvor beschlagnahmt worden. Hajdaj sprach von organisierten Raubaktionen, bei denen die Besatzer mit Lastwagen vor Wohnhochhäusern angerückt seien und Heimtechnik sowie Möbel gestohlen hätten.
Die Russen plündern das Eigentum der Stadtbewohner aus.
Serhij Hajdaj
Die Angaben aus der besetzten Stadt können nicht unabhängig überprüft werden. Schon zu Kriegsbeginn warfen in vielen Regionen des Landes zahlreiche Menschen den Besatzungstruppen Raub vor.

In sozialen Medien verbreiteten sich Fotos und Videos zerstörter russischer Militärfahrzeuge, die Fernseher, Waschmaschinen und Kleidung geladen hatten. Einer Recherche des unabhängigen russischen Portals Mediasona zufolge haben die Soldaten der Invasionsarmee bis Ende Mai 58 Tonnen Raubgut in ihre Heimatorte geschickt.
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